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Jahresrückblick 2018

Temperaturrekorde und sehr trocken
2018

Im Gegensatz zum Vorjahr begann 2018 sehr mild. Der Januar fiel mit 4,7 °C extrem warm aus und erst in den Monaten Februar und März gab es wirklich frostige Tage und Wochen. Bis -12,7 °C ging die Temperatur am 27.2. runter und auch am 2.3. wurden noch -11 °C gemessen. Wo Brunnen wie in Weimar auch im Winter plätschern, gab es spannende Eisgebilde. In Jena übte die Berufsfeuerwehr Personenrettung am zugefrorenen Schleichersee. Selbst an den Tagen um Ostern Anfang April war es kalt und an Grün noch nicht zu denken. Doch dann kam erneut ein gravierender Wechsel und bereits am 22.4. wurde der erst blühende Flieder entdeckt. Die Monate April und Mai waren die wärmsten ihrer Art seit Beginn der Aufzeichnungen. Das traf sowohl für Jena als auch für Deutschland zu. Dabei lag die Lufttemperatur an der EAH Jena im Mai 3,5 Grad und im April sogar 5,3 Grad über dem entsprechenden Mittel von 1961-90.

Der folgende Sommer war ebenfalls deutlich zu warm und der Herbst ebenso, wenn gleich etwas dezenter. Wen wundert es da am Ende, dass das Jahr 2018 mit 11,5 °C wieder mal das wärmste war. Zum Vergleich: Das Gesamtmittel der Lufttemperatur über die letzten 19 Jahre an der EAH beträgt 10,4 °C und der Referenzwert 1961-90 für Jena 9,3 °C. Es wurden auch noch nie 86 Sommertage bzw. 28 heiße Tage in Jena gezählt wie 2018. Allerdings die ganz große Hitze blieb aus. Am 28. Juli nachmittags brachte beispielsweise ein ordentliches Gewitter mit 23 mm Platzregen in 20 Minuten und Hagel schlagartig Abkühlung. Die höchste Temperatur für 2018 wurde mit "nur" 36,7 °C am 31. Juli erreicht. Die anhaltenden sommerlichen Verhältnisse spiegelten sich auch bei der Beobachtung der Globalstrahlung wieder. Für den Juli und das Jahr 2018 als Ganzes ergaben sich hier mit 190 bzw. 1.158 kWh/m² neue Spitzenwerte.

Mit 437 mm Niederschlag war 2018 außerdem das trockenste Jahr seit Beginn der Messungen an der EAH. Im Schillergäßchen wurden mit 391 mm zuletzt 1991 weniger registriert. Die Monate Februar und November lieferten nur einstellige Beiträge. Im März regnete bzw. schneite es in Jena noch etwas überdurchschnittlich. Aber von April bis September akkumulierte sich ein erhebliches Defizit. Ab Juni häuften sich die Meldungen über Feld- u. Waldbrände aus der Region Magdeburg, Hessen, Ritterdorf im Weimarer Land und sogar mehrfach aus Schweden.

Da half das größte Gewitter des Jahres am 7.8. genauso wenig wie ein heftiger lokaler Regen am 5.7. Letzterer ließ allerdings beinahe die Eröffnung der Kulturarena, d.h. die Premiere der "Titanic" ins Wasser fallen. Erst am 23. September kam deutliche Entspannung. Gut verteilt über Nachmittag und Abend regnete es 40 mm. In anderen Regionen hielt die Trockenheit noch länger an. Für Brandenburg und Sachsen-Anhalt stellte der Deutsche Wetterdienst das trockenste Jahr seit Einführung des Preußischen Messnetzes 1881 fest. Für einige landwirtschaftliche Betriebe führte das zu existenziellen Problemen. Die Schifffahrt war stark eingeschränkt. Am Elbpegel in Magdeburg wurde der Niedrigrekord von 1937 gleich mehrfach unterboten. Die anhaltende Kombination von Wärme und Trockenheit führte aber beispielsweise auch in Kirchen zu außergewöhnlichem Innenklima, so dass manche Orgel zeitweise verstummte oder dauerhaften Schaden erlitt.

Beim Rückblick auf das Jahr gebührt natürlich noch Sturmtief "Friederike" eine Anmerkung. Am 18. Januar gegen 14 Uhr fiel der Luftdruck auf 962 hPa. Die Windgeschwindigkeit erreichte 10 m/s mit Böen bis 25 m/s. Auf dem Radweg lagen plötzlich Bäume, die "Tuschelmuschel" der Imaginata verließ ihren Platz und die Bahn stellte in weiten Teilen der Republik den Verkehr komplett ein.


Tagesmittel Lufttemperatur
Tagesmittelwerte (TM) der Lufttemperatur, EAH Jena 2000 bis 2018



Dieser Text erschien im Frühjahr 2019 in den "facetten" Nr. 38


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